Besteigung der Omaruru-Nase
Diese Geschichte ist eine Fortsetzung von „Surfen auf dem Nyiragongo“
… „Wenn man den Nyiragongo besteigen will, braucht man 4 Snickers. Ich hatte eines.“
Diesen Fehler wollte ich nicht noch einmal machen, daher nahm ich für die Omaruru-Nase Erstbesteigung im Oktober 10 Snickers mit, den jungen Arzt Dr. Franz, der mal meinen Todesschein unterschreiben soll (Wenn man es beeinflussen kann, sollte man einen jungen Arzt wählen) und Chef-Mechaniker Hermann.

Die Omaruru-Nase
Die Omaruru-Nase ist schon von Weitem zu sehen und vermittelt einem schon das Gefühl, wieder „nach Hause“ zu kommen. Wenn man von Windhoek aus die Wilhelmstal Pad C 36 nimmt, sieht man sie aus 57km Entfernung zum ersten Mal von S 21°53.2566‘ O 016°15.6029‘) aus.
1.438m hoch erhebt sich diese Nase über 200m aus der Savannenlandschaft.
Nun heißt der Berg in der Herero-Sprache „Okarundu“, was so viel wie „kleiner Berg“ bedeutet. Aber Omaruru-Koppe und -koppie werden auch genutzt. Aber weil es so gut läuft, nennen wir den Granitberg Omaruru-Nase

Oder, wie Heinz Erhardt dichtet:

Um sie zu besteigen, nimmt man zur Absprache Verbindung mit der Besitzerin der Farm, auf der sich die Omaruru-Nase erhebt - auf. Patricia Craven Mobil /WhatsApp +264 81 251 7115.
Ja, die Patricia Craven, die mit Christine Marais viele verschiedene Bücher zu Namibias Flora geschrieben hat. Standardwerke der Reiseleiter-Ausbildung.

Auf der Straße D 2328 ungefähr auf Höhe der Kristallkellerei Weinfarm, lotst sie zu einem Tor [S 21°24.8213‘ O 015°58.6974‘], hinter dem eine Schlüsseldose steht, in der sich für den verabredeten Tag ein Schlüssel befindet, mit den man das Farm Tor aufschließen und das Grundstück befahren kann. Es sind auch Anfahrtsbeschreibungen drin.
Hier legt man nach Verlassen des Geländes auch ein kleines Trinkgeld von 200 N$ für die Farmangestellten für das Freihalten der Wege rein.
Auf dem Gelände sind auch verschiedene Mountainbike Strecken ausgeschildert. Die Omaruru-Nase steht auf dem Gelände zweier Farmen.
Am Parkplatz um 17:30 Uhr angekommen sah der „Berg“ von unten harmlos aus. Eher wie ein etwas beleidigter Hügel. Ein Hügel ist aber wie ein Berg, wenn man ihn nur ernst nimmt. Hügel ist meine Lieblingsrichtung.

Wir wurden von einer Pavian-Horde beobachtet. 
Wir waren spät unterwegs, da wir die Mittagshitzehitze vermeiden wollten.
„Das schaffen wir in zwanzig Minuten, lange vor dem Dunkelwerden“, sagte Dr. Franz optimistisch und verschwand sofort bis zu den Knien in einem verwachsenen Dornenbusch. Wir nahmen den ausgeschilderten „Heliographen“-Weg, es war die Familienstrecke, wie uns Frau Craven versicherte.


Es ging zügig bergauf, wie auf einer Warzenschwein-Autobahn. Einige schöne Aussichtspunkte und dann begann gegen 18:30 Uhr bereits die Dämmerung. Franz behauptete tapfer, wir seien „fast oben“. Genau in diesem Moment führte uns der Pfad direkt in eine Sackgasse aus Brennnesseln.
Abbruch der Besteigung und Wettwanderung gegen den Sonnenuntergang.



Der Abstieg wirft seine Schatten voraus!
Wir serpentinten (von lat. serpens = Schlange) den Berg hinunter und waren beim letzten Sonnenstrahl wieder am Fahrzeug.
Wir setzten uns schweigend hin. Dann sagte Dr. Franz:
„Vielleicht sind wir einfach eine sehr langsame Familie.“
Regenzeit – nächster Versuch
Namibia hat eine wundervolle Regenzeit, nächste Gelegenheit.

Um auf alles vorbereitet zu sein, habe ich wieder mein Surfbrett mitgenommen. Vielleicht gibt es ja oben einen See. Man will halt vorbereitet sein. Und wenn man mal eine Liste der schönsten Surfspots Afrikas erstellen will, vielleicht ist die Omaruru-Nase ja ein Geheimtipp.


Begleitet wurde ich diesmal von Reisefreundin Paula, „das blaue Wunder“, mit dem besten Icke-Berliner Akzent, den man in seine Ohren zulassen kann.

Wieder den „Heliographen“-Weg, diesmal haben wir ein Photo der alten Heliographen Station aus der Kolonialzeit mitgenommen, mit der man ab 1902 Verbindung nach Karibib und Okowakuatjivi (Kalkfeld) halten konnte.

Hier Hintergrund zu Heliographen in DSWA.
Der Weg war diesmal übergrünt und zugewachsen. Alle paar Meter mussten wir diskutieren, wo es entlang gehen sollte. „Natur pur – und zwar direkt im Gesicht!“

Der Wanderweg war komplett verwachsen. Brennesselzweige griffen nach unseren Beinen, Äste schlugen uns ins Gesicht, und das Surfbrett blieb ungefähr alle drei Meter irgendwo hängen. Einmal drehte ich mich ungeschickt um und fegte mit dem Brett einen ganzen Busch leer wie ein übermotivierter Schneepflug.

„Surfboards verbinden Menschen – und heute auch Bäume!“, kommentierte Paula. Ich entgegnete: „Wer einen Weg sucht, findet Abenteuer. Wer keinen findet, findet noch mehr Abenteuer!“ Oder, wir Reinhold Messner irgendwann mal so ungefähr sagte: „Wenn keine Chance zum Sterben besteht, ist es wie im Kindergarten.“
Der Berg ruft, und ich schnaufe zurück. Wir leiden uns nach oben, mit dem Survival Instinkt eines Dodos.


Zu diesen Zinnen mussten wir hoch, um durch die Rinne den Aufstieg auf den Gipfel zu unternehmen.

Nach einer Stunde hatten wir ganze 100 Höhenmeter geschafft und sahen aus, als hätten wir mit einem Honigdachs gekämpft.
Eigentlich ist Wandern ja wie Yoga, dachte ich, nur mit mehr Schweiß und ohne Matte.

Ich bin nicht langsamer als Paula, ich genieße die Aussicht nur länger.

Am alten Heliographenstandpunkt schnell noch ein paar Surfphotos gemacht.


Endlich die Rinne erreicht.

Auf dem Gipfel
Ein Schritt noch. Und dann noch einer. Geschafft. Ganz oben. Hier berüht Omaruru also den Himmel.
Wenn Deine Beine brennen, aber Dein Kopf “Danke“ sagt, verändert sich der Schweiß in flüssiges Glück, das Gefühl von Freiheit mit Aussicht.
Den Aufstiegssekt als begleitenden Tagesalkoholismus.

Schnell ins Gipfelbuch eingetragen und dann alles für die perfekte Welle abstimmen.
„Wer auf alles vorbereitet ist, wird nie von einer Überraschungswelle überrascht!“

„Und? Gute Wellen heute?“ Das sieht bei Ihr einfach eleganter aus.


Was auf dem Berg passiert, bleibt auf dem Berg.
Es begann ein langsamer Abstieg. Irgendwoher war ich ein wenig erschöpft. Es gingen mir die alten Bundeswehr-Sprüche durch den Kopf „Möhle, wenn Ihnen schwarz vor Augen wird, weiter so!" Ich delirierte in meiner abgekauten Großhirnrinde von Lohnfortzahlung im Winterschlussverkauf, über die Reichweite eines Rasenroboters, wie man Termitenschutzmittel aus einem Nestle Kaffeeautomaten bekommt und ob man durch Intervallfressen tatsächlich abnimmt. Ich beginne langsam meiner zweibeinigen Biomasse im Geltungsbereich des Grundumsatzes zu Misstrauen.

In meiner Jugend war ein Deich das höchste was in Schleswig-Holstein zu besteigen war, obwohl wir auf em 167m hohen Bungsberg bei Kiel einen Skilift hatten.
Die fitte Paula bemerkte mein Schwächeln und nahm mir kurzerhand das Surfbrett ab und machte sich zügig wie eine Gämse auf den Weg. Ich machte mich nur auf den Weg.





Endlich war das Auto in Sicht

Der Nachweis wurde zweifelsfrei erbracht, dass man ohne Sauerstoffmaske, dafür mit Surfbrett innerhalb von 4 Stunden die Omaruru-Nase besteigen und wieder herunterkommen konnte.
Wer braucht noch Urlaub, wenn er einen Berg hat.

Ach ja, und die Welle ist dann doch noch gekommen, dank Sven Schmidt
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